Prof. Stefan Koelsch
Seine Forschung zeigt, dass Musik Aktivität in verschiedenen Gehirnregionen modulieren kann, die an Emotion, Erinnerung und Belohnung beteiligt sind.
NEUROSCIENCE WITH MUSIC
Seit Jahrtausenden begleitet Musik den Menschen. Wir singen in Freude. Wir singen in Trauer. Wir singen manchmal dort, wo Worte nicht mehr reichen.
Schon die Menschen in den alten Klöstern wussten um diese Kraft: Sie webten Gesang bewusst in ihren Alltag ein, damit die Seele wieder in Harmonie kommt und neue Kraft schöpfen kann. Dieses alte Wissen berührt mich zutiefst — und mir ist es ein Herzensanliegen, dass wir Menschen heute wieder zu diesem alten Wissen zurückfinden.
Es erfüllt mich mit Demut, dass die heutige Neurowissenschaft nun beginnt, genau dem mit ihren eigenen Mitteln nachzuspüren.
BERLIN · 5. SEPTEMBER 2019
2019 erhielt ich die Einladung, beim International Symposium on Neuroscience with Music im Umweltforum Berlin mitzuwirken.
Das Symposium brachte Fachrichtungen wie Neurowissenschaft, Medizin, Psychologie, Therapie, Technologie und Musik zusammen und eröffnete einen interdisziplinären Blick auf die Wirkung von Klang und Musik.
Im Rahmen einer Live Demonstration sang ich in meiner aramäischen Muttersprache für eine Probandin, deren Gehirnaktivität währenddessen mittels EEG aufgezeichnet wurde.
Der Gesang entstand unmittelbar in diesem Moment. Ohne Aufnahme, ohne vorgegebenes Musikstück und ohne vorher festgelegten Ablauf.
Während des Gesangs wurden die Veränderungen der Gehirnaktivität in Echtzeit erfasst und für die Anwesenden sichtbar gemacht.

„Für mich war diese Begegnung von Klang und Wissenschaft besonders eindrücklich: Eine Erfahrung, die Menschen beim Hören und Singen oft unmittelbar wahrnehmen, wurde hier gleichzeitig aus einer neurowissenschaftlichen Perspektive betrachtet.“
WAS FORSCHUNG SICHTBAR MACHT
Beim Hören von Musik arbeiten viele Bereiche unseres Gehirns miteinander. Wahrnehmung, Emotion, Erinnerung, Bewegung und Belohnung greifen ineinander.
Musik kann Aktivität in Gehirnregionen beeinflussen, die an der Verarbeitung von Emotionen beteiligt sind.
Intensive musikalische Freude kann mit der Ausschüttung von Dopamin im Belohnungssystem verbunden sein.
Studien untersuchen, wie Musik psychologische und körperliche Stressreaktionen beeinflussen kann.
Musik und Sprache teilen Prozesse der Wahrnehmung, Struktur und Verarbeitung komplexer Klänge.
Klang wird nicht nur gehört.
Er wird erlebt.
EINBLICKE & IMPRESSIONEN

Live-Demonstration · Maria Kaplan singt für die Probandin mit EEG-Haube
1st International Symposium on Neuroscience with Music · Berlin

Umweltforum Berlin · Auferstehungskirche

1st International Symposium on Neuroscience with Music

Maria Kaplan · Gesang & Stimme
International Symposium on Neuroscience with Music · Umweltforum Berlin · 5. September 2019
EIN BLICK IN DIE FORSCHUNG
Weltweit beschäftigen sich Forschende seit vielen Jahren mit der Frage, wie Musik mit Emotionen, Körperreaktionen, Sprache und Gehirnprozessen zusammenhängt.
Seine Forschung zeigt, dass Musik Aktivität in verschiedenen Gehirnregionen modulieren kann, die an Emotion, Erinnerung und Belohnung beteiligt sind.
In ihrer Forschung wurde gezeigt, dass intensive Freude beim Musikhören mit körpereigener Dopaminausschüttung im Belohnungssystem verbunden sein kann.
Er erforscht die Beziehungen zwischen Musik, Rhythmus, Sprache und der Verarbeitung komplexer Klangstrukturen im Gehirn.
Wissenschaft kann beobachten, vergleichen und Zusammenhänge sichtbar machen.
Was ein Klang jedoch ganz persönlich in einem Menschen berührt, bleibt eine Erfahrung.
Vielleicht liegt genau dort die besondere Kraft von Musik:
wo Wissen und Erleben einander begegnen.